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Verpackung neu interpretiert: Die nachhaltigen Lösungen von morgen 

Abbildung zeigt vielfältige Kartonverpackungsformate

Wo auf Nachhaltigkeit ausgelegte Verpackungen einst Marken einen Wettbewerbsvorteil boten, wird diese heute einfach vorausgesetzt. Mit Gesetzen wie der EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) und der erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR), welche die Prioritäten von Marken und Einzelhändlern beeinflussen, ergeben Verpackungsentscheidungen einen wichtigen Faktor für Konformität, Ruf und Markterfolg. 

Für Unternehmen gehen Gespräche über die Nachhaltigkeit von Verpackungen über die Materialauswahl alleine hinaus, um den gesamten Produktlebenszyklus, die Klimabilanz, die Zirkularität des Materials, den Gehalt nachwachsender Rohstoffe und die Zukunftsfähigkeit zu umfassen. Mit zunehmender Komplexität steht der Einsatz von papierbasierter Verpackung als Strategie im Mittelpunkt – mit vielen positiven Antworten. 

Was verstehen wir unter „nachhaltiger Verpackung“? 

Bei nachhaltiger Verpackung geht es nicht um ein Attribut oder ein bestimmtes Material, sondern um ein Konzept mit mehreren Dimensionen. Sie bezieht sich auf Verpackungslösungen, welche die Umweltbelastung über den gesamten Lebenszyklus hinweg minimieren, von der Beschaffung und Produktion bis hin zu Nutzung und Entsorgung. Dazu gehört die Verwendung verantwortungsvoll gewonnener erneuerbarer oder recycelter Materialien, ein reduzierter Materialverbrauch und die Entwicklung für Wiederverwendung oder Recyclingfähigkeit.  

Die Internationale Organisation für Normung (ISO) definiert nachhaltige Verpackung als „Erfüllen der Bedürfnisse der Verbraucher nach Produktschutz, Sicherheit, Handhabung und Informationen, während gleichzeitig Ressourcen effizient genutzt und die Umweltauswirkungen begrenzt werden“. Das bedeutet, dass Nachhaltigkeit ganzheitlich zu messen ist, nicht durch eine einzige Metrik für sich allein. Probleme wie die Verschmutzung durch Kunststoffe, die Klimabilanz, Ressourcenknappheit und Kreislaufwirtschaft spielen ebenfalls eine Rolle. Mit anderen Worten: Die Nachhaltigkeit der Verpackung erfordert vernetztes Denken, den Ausgleich konkurrierender Prioritäten und die Leistungsoptimierung in mehreren Wirkungsbereichen. 

Die Sprache der Nachhaltigkeit verändert sich: Worten müssen Taten folgen 

Einer der interessantesten Aspekte der Nachhaltigkeit ist das gestiegene Verbraucherbewusstsein. Die neueste Pro-Carton-Studie zur europäischen Verbrauchereinstellung zeigt, dass 57 % der Befragten der Meinung sind, dass ein nachhaltiger Lebensstil in den letzten 12 Monaten an Bedeutung gewonnen hat, während sich 48 % mehr Sorgen um Kunststoffe in den Ozeanen gemacht haben. In ganz Europa wird Karton von 86 % der Verbraucher gegenüber Kunststoffverpackungen bevorzugt, und durchschnittlich wechselten 40 % der Verbraucher in ganz Europa aufgrund von Bedenken bezüglich der Verpackung Marken oder Produkte.  

Neben dem wachsenden Bewusstsein wird Greenwashing, bei dem Nachhaltigkeitsansprüche verzerrt, übertrieben oder falsch dargestellt werden, jedoch zur wachsenden Herausforderung. Als Reaktion darauf führen der britische Green Claims Code und die EU-Green-Claims-Richtlinie zu einer neuen Ära der Umweltkommunikation, die Klarheit, Präzision und Rechenschaftspflicht fordert. Diese Initiativen sind nicht als Hinweise oder Leitlinien, sondern als Regelwerke zu betrachten. In Großbritannien kann die Durchsetzung des Green Claims Code Geldstrafen von bis zu 10 % des Jahresumsatzes eines Unternehmens bedeuten. In der EU kann sie mehr als 4 % des weltweiten Unternehmensumsatzes pro Verstoß nach sich ziehen. Das ist ein hoher Einsatz für jeden Anspruch auf Verpackungen, in Pressemitteilungen oder über Marketingkanäle. Dabei sollen Geschichten rund um das Thema Nachhaltigkeit nicht stummgeschaltet, sondern besser, transparenter und ehrlicher erzählt werden.  

Wenn eine Packung recycelbar ist, wo ist der Beleg dafür und ist es in der Praxis im großen Maßstab realisierbar? Wenn ein Material eine günstigere Klimabilanz als ein anderes aufweist, welche Ausgangsbasis und welche Annahmen gelten dann als Vergleichsgrundlage? Muss es frei von einer bestimmten Substanz sein oder einen bestimmten Standard gesetzlich erfüllen, so ist das nicht als Vorteil zu beanspruchen. Leere, falsche und vage Behauptungen untergraben das Vertrauen, aber gute Belege können den Ruf und die Glaubwürdigkeit steigern. 

In einem Markt, in dem die Ansprüche konform sein müssen, sollten Verpackungspartner als strategische Partner, anstatt als bloße Lieferanten betrachtet werden. Auf diese Weise investieren beide Parteien in die Formulierung genauer, relevanter und aussagekräftiger Ansprüche. 

Was treibt den Wandel hin zu nachhaltigeren Verpackungslösungen voran? 

Marken und Einzelhändler stehen unter dem Druck, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, wie z. B. zu 100 % recycelbare Verpackungen, reduzierter Einsatz von Frischfaserkunststoff um einen festgelegten Prozentsatz oder die Emissionsreduzierung bis 2030.  

Verpackungen aus Pappe sind auf natürliche Weise auf diese Ambitionen ausgerichtet. Sie sind in der Regel im Haushaltsabfall recycelbar, werden hauptsächlich aus erneuerbaren und/oder recycelten Materialien hergestellt und lassen sich durch intelligentes Strukturdesign optimieren, um Materialverbrauch und -gewicht zu minimieren. 

Für Marken und Einzelhändler geht es aber auch darum, dem Kundenwunsch zu entsprechen, und wie aus der jüngsten Studie von Pro Carton hervorgeht, bevorzugt der Kunde Karton statt Kunststoff. 

In Bezug auf die Gesetzgebung verändert die Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (PPWR) der EU das Verpackungsrecht wesentlich und führt unter anderem obligatorische Designkriterien für das Recycling (DfR), Beschränkungen für Leerräume in Verpackungen und Ziele für die Wiederverwendung und recycelte Inhalte ein. Obwohl bestimmte Ausnahmen gelten, deckt das PPWR die meisten Formen von Verbraucherverpackungen ab, die in der EU hergestellt und verkauft bzw. in die EU importiert werden. 

Die Initiative Extended Producer Responsibility (EPR) erweitert die Verpackungsentscheidungen um Kosten und Komplexität. Im Rahmen des EPR sind die Hersteller finanziell für das Entsorgungsmanagement der Verpackungen verantwortlich, die sie auf den Markt bringen. Für Materialien, die schwieriger zu sammeln, zu sortieren und zu recyceln sind, entfallen höhere Konformitätsgebühren. Die in Großbritannien und Spanien geltende Kunststoffsteuer versucht als weiteres Instrument, die Linearwirtschaft von Kunststoff zu kompensieren.

Gemeinsam schaffen diese treibenden Faktoren einen starken Handlungsanreiz. Unternehmen benötigen Verpackungen, die im Regal und in Lieferketten funktionieren und gleichzeitig die Anforderungen an Gesetzgebung, Nachhaltigkeit und die Attraktivität für Verbraucher erfüllen. 

Verbesserte Nachhaltigkeit durch Verpackungen aus Pappe 

Mit intelligentem Strukturdesign und ausgewählten Materialien kann Pappe die Nachhaltigkeit für vielfältige Verpackungen verbessern.  

Recyclingfähigkeit 

Verpackungen aus Pappe sind mit einer Rückgewinnungsrate von 83 % in Europa eines der am stärksten recycelten Materialien der Welt. Im Gegensatz dazu beträgt die Rückgewinnungsrate bei Kunststoffverpackungen 41 %, bei PET-Schalen 25 % und bei Kunststofffolien nur 21 %.  

Klimabilanz 

Wenn die Klimabilanz von Verpackungen auch nur eine der Umweltauswirkungen darstellt, gilt sie im Allgemeinen als einer der wichtigsten Aspekte für Käufer von Verpackungen, insbesondere für diejenigen, die sich für eine wissenschaftlich fundierte Dekarbonisierung oder für Netto-Null-Ziele engagieren. Für Kartonverpackungen liegt der größte Beitrag zur Klimabilanz in den Rohstoffen, die in der Produktionsphase der Kartonproduktionsanlage verbraucht werden. Die Auswahl von Materialien, die Leichtbau und ein minimiertes Design unterstützen, und/oder der Materialien mit den geringsten Klimaauswirkungen (z. B. der Ersatz fossiler Materialien) ist der Schlüssel zu einer minimalen Klimabilanz.  

Zirkularität des eingesetzten Materials 

Bei Verpackungen muss neben der Klimabilanz die Zirkularität des Materials berücksichtigt werden. Der von der Ellen MacArthur Foundation entwickelte Material Circularity Indicator (MCI) bietet hierbei eine wertvolle Methode. Sie berücksichtigt die Recyclingrate und -effizienz und zudem, wie effektiv Materialien recycelt und in mehreren Schleifen wiederverwendet werden können.Der MCI für Verpackungen aus Pappe fällt allgemein deutlich günstiger als für solche aus Kunststoff aus. Ein MCI von eins bestätigt die vollständige Zirkularität der Verpackung. Ein MCI von Null steht dafür, dass die Verpackung nach einmaligem Gebrauch vollständig zu entsorgen ist. Zur Veranschaulichung: Der MCI von EnviroClip Bottles, einem Clip-Multipack-Karton mit minimalem Materialaufwand für PET-Flaschen, hat einen MCI von 0,888, während die Schrumpffolie, die ersetzt wird, einen MCI von nur 0,154 hat.

Minimierung der Lebensmittelabfälle 

Extern veröffentlichte Studien bestätigen, dass das Treibhauspotenzial und die in die Verpackung eingebetteten Ressourcen niedriger sind (allgemein im Bereich von 3–5 %) als die in die verpackten Produkte selbst eingebetteten Ressourcen. Pappverpackungen mit einer effektiven Barriere erhalten bzw. erhöhen in einigen Fällen sogar die Lebensmittelhaltbarkeit. Unten finden Sie das Beispiel unserer eigenen ProducePack™-Siegelschale. 

Die Vielseitigkeit von Pappe: Praxisbeispiele

 

PaperSeal™ Shape

Der britische Einzelhändler Sainsbury’s ist für sein paniertes Hühnchen auf unsere PaperSeal™ Shape-Pappschale umgestiegen, was den Kunststoffgehalt gegenüber der bisherigen Kunststoffschale um bis zu 82 % reduziert. Dieser Wechsel entfernt jährlich über 300 Tonnen Kunststoff aus der Lieferkette.

Die Schale ist gemäß den OPRL-Richtlinien in Großbritannien recycelbar, ohne dass die Schutzfolie entfernt werden muss.

Abbildung zeigt PaperSeal Shape-Schale
Abbildung zeigt Morrisons-Presskartonschale

Schalen aus Presspappe

Der britische Einzelhändler Morrisons wechselte von Kunststoffschalen zu gepressten Pappschalen, reduzierte den Kunststoffverbrauch um 90 % pro Schale und spart damit 250 Tonnen Kunststoff pro Jahr ein.

ProducePack™-Siegelschale

Unsere Siegelschale aus Pappe ist im Hausmüll recycelbar und kann gemäß den OPRL-Richtlinien der Einwegkunststoffrichtlinie unter bestimmten Voraussetzungen als kunststofffrei eingestuft werden.

Unabhängige Tests, die von der Washington State University durchgeführt wurden, ergaben, dass Tomaten in einer Siegelschale aus Pappe eine längere Haltbarkeit als in Siegelschalen aus Kunststoff haben. Die Durchlässigkeit der Pappe in Kombination mit den Belüftungsöffnungen ermöglicht das Entweichen von Feuchtigkeit und Gasen, was zu einer geringeren relativen Luftfeuchtigkeit führt. Auf den Tomaten in diesen Siegelschalen bildete sich kein Kondensat, was wahrscheinlich erklärt, weshalb die Schimmelbildung bei diesen Tomaten langsamer und signifikant geringer war als bei denen in Kunststoffverpackung. Das ist ein wesentlicher Aspekt der Funktionalität von Verpackungen, der potenziell die Abfälle im Einzelhandel und auf Verbraucherebene begrenzen kann. Darüber hinaus zeigten sich bei einer Cradle-to-Gate-LCA-Analyse die geringeren Klimaauswirkungen der Siegelschale als der Kunststoffschalen.

Abbildung zeigt Siegelschale
Abbildung zeigt CleanClose-Packung

Kindersichere CleanClose™-Verpackung für Waschmittelkapseln

Dieser kindersichere Waschmittelkarton wurde ursprünglich für Unilever entwickelt und ersetzt Kunststoffbehälter und -beutel durch eine Alternative aus Pappe. Die Verpackung lässt sich nach Gebrauch recyceln und verfügt über einen kindersicheren Öffnungsmechanismus, der aber für Erwachsene intuitiv zu bedienen ist.

Boardio™

Die Boardio™-Verpackung für den Süßwarengiganten Perfetti Van Melle ist das erste Produkt in der Kategorie Kaugummi, das in einer Kartonwanne auf den Markt gebracht wird und den bisherigen Behälter aus starrem Kunststoff ersetzt. Boardio ist mit dem Hausmüll recycelbar.

Abbildung zeigt, wie das Team von Perfetti Van Melle eine Auszeichnung für Boardio erhält
Abbildung zeigt Coca-Cola-Minidosen in KeelClip

KeelClip™

Die Umstellung von Liberty Coca-Cola Beverage auf KeelClip™ ersetzte Kunststoffringe auf mehreren Packungen von Minidosen durch eine recycelbare Alternative aus Pappe im Clip-Stil, was jährlich schätzungsweise 37,5 Tonnen Kunststoff einspart.

Sushischalen

Unser Portfolio für die Verpackung von Sushi umfasst Optionen, die der Definition „plastikfrei“ gemäß der EU-Richtlinie über Einwegkunststoffe (SUPD) entsprechen, hinzu kommen Lösungen, die keine Kunststofflaminierung oder weniger als fünf Prozent Kunststoff enthalten.

Alle Formate können so gestaltet werden, dass sie gemäß europäischer Gesetzgebung über den Haushaltsmüll wiederverwertet werden können.

Die Abbildung zeigt ein Beispiel für das europäische Portfolio für Sushi-Verpackung

Warum besteht jetzt Handlungsbedarf?

Das Zögern ist keine neutrale Entscheidung. Angesichts der vollständigen EPR-Implementierung und der sich nähernden Fristen für die Durchsetzung von PPWR sind abwartende Unternehmen ggf. nicht mehr im Einklang mit den Vorschriften und müssen möglicherweise unerwartet höhere Gebühren entrichten. Noch wichtiger ist, dass sie in einem sich schnell entwickelnden Marktumfeld, in dem Nachhaltigkeit nicht mehr als Unterscheidungsmerkmal, sondern als Voraussetzung gilt, in Rückstand geraten können.

Angesichts der steigenden Verbrauchernachfrage ist Nachhaltigkeit keine Herausforderung der Zukunft, sondern eine Notwendigkeit der Gegenwart. Die Unternehmen, die das verstehen und in ihre Verpackungsstrategie integrieren, reservieren sich damit schon heute die Regalfläche von morgen.

Konzipieren wir gemeinsam bessere Verpackungen

Wir arbeiten mit globalen, nationalen und regionalen Marken, Herstellern von Eigenmarken und Einzelhändlern zusammen, um Verpackungslösungen aus Pappe zu entwickeln, die für sie, ihre Verbraucher und unseren Planeten Leistung bringen.

Unabhängig davon, ob Sie eine SKU oder Ihr gesamtes Verpackungsportfolio neu überdenken, helfen wir Ihnen gerne beim Wechsel hin zu einer besseren Verpackung.

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